Volkstrauertag vom 13.11.2022


Stefanie Herpens-Usemann, Vorstandsmitglied des VHD, hielt nachfolgende Ansprache unter Beteiligung der Gottesdienstbesucher, der Pfarrgemeinde und der örtlichen Vereine am Denkmal für die gefallenen Opfer der Weltkriege neben der Kirche:

 

Jedes Jahr begehen wir wieder den Volkstrauertag. Nie wurde dieser Tag - wie andere wiederkehrende Tage - zur Routine.

Seit 1922 ist das für unser Land der Tag, an dem wir der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken, an dem wir die Trauer mit den Angehörigen der Betroffenen teilen. An dem uns aber auch inständig bewusst wird was die Erinnerung an Sterblichkeit bedeutet.
Nach der Bibel hat alles seine Zeit: es gibt Zeitabschnitte der Freude und es gibt Zeiten des Leids, Zeiten des Kommens und des Gehens.

 

Der Volkstrauertag summiert Leid. Es ist das Leid aller, die in Kriegen, bei Terror und unter Gewalt, Familie, Freunde, Hab und Gut verloren haben. Und auch heute passiert das, was wir eigentlich nicht mehr für möglich hielten. Krieg in Europa, Krieg in der Ukraine! Wiederum verursacht durch das Machtstreben Einzelner. Auch heute, mehr als 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, sind noch immer nicht alle Wunden verheilt, sind sogar immer wieder Neue aufgerissen worden.

Der Volkstrauertag erinnert uns besonders an die 55 Millionen Menschen, die allein im Zweiten Weltkrieg ihr Leben gelassen haben. Männer, Frauen und Kinder, Soldaten, Zivilisten, Militaristen und Pazifisten, Schuldige und Unschuldige, Freunde und Feinde. Doch wir trauern nicht nur über die vielen Verluste an Menschen. Der Volkstrauertag ist auch ein Tag der Trauer über das, was Menschen ihren Mitmenschen antun können und wohin Vorurteile, Verblendung, Gewalt und Gleichgültigkeit führen können.

An diesem Tag stellt sich jedes Jahr die Frage, wie es zum Ausbruch von Kriegen und zu Gewaltherrschaft kommen konnte. Der Volkstrauertag ist auch ein Tag der Mahnung! Ein Tag des nicht Vergessens nämlich. Nicht zu vergessen, welch gefährdetes Gut die Menschenwürde ist. Leider hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt.- Auch das sehen wir momentan im Leid der Ukrainer. - dass Menschlichkeit im Umgang miteinander verloren gehen kann.

Der Volkstrauertag ist gerade deshalb auch der Tag, der zur Achtung vor den Menschen aufruft, vor dem Leben eines jeden einzelnen Menschen, gleich welcher Herkunft oder welchen Glaubens er ist. Ganz unabhängig davon, wie er aussieht oder welche Überzeugungen er hat. Damit ist der Volkstrauertag nicht nur ein Tag für die Toten, sondern auch für die Lebenden. Er hat nicht nur etwas mit der Vergangenheit zu tun, sondern auch mit der Gegenwart.

Das Nachdenken an diesem Volkstrauertag über Krieg und Terror, über seine Opfer und seine Ursachen ruft und fordert uns alle auf, uns für Frieden und Freiheit einzusetzen. Aus diesem „SICHERINNERN“, diesem“ NACHDENKEN“ erwächst auch die Verpflichtung zum Handeln. Wer zu vergessen beginnt, der ist nicht fähig, aus der Geschichte zu lernen. An dieser Stelle wollen wir daher auch, unserer Wickrathberger Jüdischen Gemeinde erinnern. Stellvertretend für alle im Holocaust ermordeten Juden.


Zur Erinnerung an unsere verstorbenen jüdischen Einwohner in Wickrathberg.

Alber Zander, Paula Zander, Herbert Zander, Ruth Zander, deportiert1942 , Verstorben in Gefangenschaft im Lager.
Hildegard Zander, Gustav Harf, Hans Hermann Harf und Meta Harf, deportiert 1941. Sie wurden aus der Gefangenschaft befreit und überlebten den Holocaust.
Die Namen der Wickrathberger Juden wurden nach dem gemeinsamen Gang zur Gedenkplatte an der Synagoge auf der Berger Dorfstraße verlesen.

 

 

Ansprache: Stefanie Herpens-Usemann

 

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